Fairen Handel stärker lokal verankern

Fairtrade Towns Steuerungsgruppen im Kreis Unna und der Stadt Hamm vernetzen sich

Zum ersten Mal trafen sich Akteure der Fairtrade Towns Steuerungsgruppen aus dem Kreis Unna und der Stadt  Hamm zu einem regionalen Austausch- und Fortbildungstreffen. Dazu eingeladen hatte die Faire Metropole Ruhr in Kooperation mit dem Informationszentrum Dritte Welt e.V. Dortmund und dem Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung Hamm.

Über 25 Vertreter/innen aus der Kommunalverwaltung, von Weltgruppen und Weltläden, Kirchengemeinden, Verbraucherzentralen und Vereinen folgten der Einladung in die Ökologiestation des Kreises Unna nach Bergkamen. Gemeinsam waren sie sich darin einig: Der Kreis Unna kann und soll fairer werden. Alle Akteure eint der Wunsch, das Thema Fairer Handel stärker in der Bevölkerung sowie in der Spitze von Verwaltung und Politik zu verankern. Hierfür müsse man die eigene Sprache überdenken und die Lobbyarbeit stärken. Denn „fair“ kann viel bedeuten, Kriterien des Fairen Handels hingegen sind klar definiert. Dies müsse man besser und vor allem einfacher kommunizieren.

Der Fokus des Treffens lag zum Einen auf dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Austausch von gut gelungenen Aktionen und Kampagnen. Zum Anderen eint viele Steuerungsgruppen und Akteure die Herausforderung, neue und junge Mitwirkende zu finden, wenn das anfänglich hohe Engagement meist ehrenamtlicher Mitglieder in den Steuerungsgruppen, Weltläden und Vereinen nachlässt. Martin Heyer (freie Referent der Heinrich-Böll-Stiftung) konnte dazu mit dem Thema „Mitglieder und Akteure finden und binden“ wichtige Impulse und Anregungen für die Anwesenden vermitteln.

„Inspirierend und motivierend“ empfanden die Teilnehmenden dieses erste Vernetzungstreffen und wollen sich in Zukunft regelmäßig treffen. An Ideen und Themen für weitere Treffen mangelt es nicht.

Weltweit sind  über 2.000 Städte und Gemeinden als Fairtrade-Towns ausgezeichnet. mit. Im Kreis Unna machen sich mit Kamen und Bönen derzeit die letzten beiden Gemeinden drezeit auf den Weg und so werden voraussichtlich beim nächsten Treffen in 2018 alle Städte und Gemeinden des Kreises Unna Fairtrade Towns sein.

Das Projekt FaireKITA NRW des Netzwerks Faire Metropole Ruhr nimmt in Berlin Preis entgegen

Das inzwischen bundesweit agierende Projekt FaireKITA NRW des Netzwerks Faire Metropole Ruhr wurde auf dem Agendakongress 2017 am 27.11.2017 in Berlin ausgezeichnet.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche UNESCO-Kommission ehrten herausragende Bildungsinitiativen für nachhaltige Entwicklung. "Die prämierten Lernorte, Netzwerke und  Kommunen leisten als Vorreiter einen beispielhaften Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland." so die Laudatorin Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen.
Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft trafen sich am 27. und 28. November 2017 in Berlin, um gemeinsam die Umsetzung des am 20. Juni 2017 verabschiedeten „Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung“ voranzutreiben. Er ist zentraler Bestandteil der Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland.
Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen sagte anlässlich der Verleihung der Auszeichnungen: „Wir brauchen Vorbilder, um den Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen. Die Preisträger zeigen, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung in unserem Alltag gelebt werden kann. Nur durch Bildung verstehen wir die Auswirkungen unseres Handelns auf unsere Umwelt und Zukunft. Die Ausgezeichneten tragen mit ihrer Arbeit entscheidend dazu bei, unser Bildungswesen stärker am Prinzip der Nachhaltigkeit auszurichten. Damit liefern sie wichtige Impulse für die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung.“
Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte: „Nachhaltigkeit kann man lernen. Am besten gelingt dies an Orten, an denen wir nachhaltige Entwicklung praktisch leben und erfahren können. Genau das sind die heute ausgezeichneten Lernorte, Kommunen und Netzwerke. Sie alle machen deutlich, wie Nachhaltigkeit auch in den Strukturen des deutschen Bildungssystems verankert werden kann. Sie integrieren Prinzipien der Nachhaltigkeit in Inhalte und Methoden der Bildung, richten ihre Bewirtschaftung an Nachhaltigkeit aus, bilden ihre Mitarbeiter zu nachhaltiger Entwicklung weiter, und machen Nachhaltigkeit zum Thema in der Zusammenarbeit mit ihren Partnern. Ich wünsche mir, dass diese strukturbildenden Initiativen viele Nachahmer finden.“
Insgesamt 29 Lernorte, 28 Netzwerke und 6 Kommunen überzeugten die Jury von der hohen Qualität ihres Engagements für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Als Vorreiter leisten sie einen beispielhaften Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland. In der deutschen BNE-Landschaft stellen sich die Ausgezeichneten vor. Sie erhalten das Logo des Weltaktionsprogramms für ihre Arbeit und profitieren vom Austausch mit anderen Akteuren und Initiativen. Darüber hinaus bieten die Freie Universität Berlin und die Deutsche UNESCO-Kommission eine Beratung zur Weiterentwicklung der Initiativen an.

Jahrestagung Faire Metropole Ruhr

Wird Fairer Handel zum Standortfaktor?

Ein Anfang ist gemacht! „Die Auszeichnung FairTradeTown ist nur der erste Schritt. Die Kommunen müssten sich nachhaltig verantwortlich verhalten“, sagt der bekannte Autor und Journalist Stefan Kreutzberger bei der Jahrestagung der Fairen Metropole Ruhr im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Gemeinsam mit Professor Dr. Rudolf Juchelka, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsgeographie an der Uni Duisburg Essen, und Thomas Paschek, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Waltrop, diskutiert er auf dem Podium unter anderem darüber, welche Zugkraft der Faire Handel innerhalb einer Region entwickeln kann. Hat der Faire Handel wirklich das Potenzial zum weichen Standortfaktor?

Forderung nach europaweitem FairTrade-Standard

70 Gäste hören gebannt zu, als Professor Dr. Juchelka darüber redet, dass Bildungsarbeit in die Köpfe gebracht werden muss, damit sich der Gedanke des fairen Netzwerks weiter ausbreiten kann. Noch, so sagt er, sei der Faire Handel kein wissenschaftlich belegter Standortfaktor, aber zumindest schon Merkmal von Regionen, Imageelement und ein Markenfaktor. Als Beispiel nennt er hier den Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, dessen das Stadtbild prägende Biomarktkultur Leute anzieht und so zumindest als „weicher“ Standortfaktor bezeichnet werden könnte. „Ich möchte der Fairen Metropole Ruhr anbieten, dieses Thema in einer Masterarbeit gemeinsam mit einer meiner Studentinnen aufzugreifen und zu bearbeiten“, sagt er. Thomas Paschek pflichtet ihm bei und empfindet in Waltrop FairTrade durchaus schon als weichen Standortfaktor. Er berichtet unter anderem von einer jungen Unternehmerin, die ihren Bioladen gezielt in Waltrop eröffnet hat, weil der Standort dort einfach passe. „In Waltrop steckt viel FairTrade“, sagt er. Kreutzberger kritisiert, dass Fairer Handel gerade ein Glaubwürdigkeitsproblem hat und fordert einen europaweiten FairTrade-Standard. Alle sind sich einig, dass das nachhaltige Verhalten nicht auf den Fairen Handel beschränkt werden darf, sondern weit darüber hinausgehen muss.

„Faires Denken in den Köpfen der Menschen verankern“

In anschließenden Workshops zu den Themen „Design Thinking“, „Faires Stadtmarketing“ und „Faire öffentliche Beschaffung“ entwickeln die Teilnehmer*innen gemeinsam Ideen, um den fairen Gedanken weiter zu verbreiten und das Konzept der Fairen Metropole Ruhr weiter umzusetzen. „Wir haben aus gutem Grund das gesamte Ruhrgebiet als unser Symbol gewählt. Wir haben schon viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun, um das faire Denken in den Köpfen der Menschen zu verankern“, so Vera Dwors und Markus Heißler aus dem Vorstand des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. In Arbeit ist zum Beispiel schon ein KinoTrailer, der auf die Arbeit der Fairen Metropole Ruhr aufmerksam macht.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung so viele Menschen im Netzwerk erreichen konnten und wünsche mir, dass daraus viele Synergien entstehen, auf denen wir weiter aufbauen können. Außerdem freut es mich, das Thema "Fairer Handel" im Rahmen dieser Veranstaltung von neuen Perspektiven aus betrachten zu können. Vor allem, dass die Idee des Fairen Handels als Standortfaktor auf wissenschaftliches Interesse gestoßen ist und an Relevanz gewinnen kann“, sagt Projektleiterin Mariam Stauer, die die Veranstaltung gemeinsam mit Lisa Horstkamp geplant und organisiert hat.

Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr hat mit seiner kontinuierlichen Arbeit seit 2008 ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet geschaffen und wurde 2013 als erste Großregion Deutschlands und erster Städteverband weltweit als „Faire Metropolregion“ ausgezeichnet.

Faire Regionen bündeln Kompetenzen

Der Ruhrpott als Vorbild

„Die Faire Metropole Ruhr ist für mich eine Art Werbeblock für das Ruhrgebiet. Je mehr Menschen wir mit der Idee des Fairen Handels erreichen, umso besser“, sagte Vera Dwors vom Vorstand des Faire Metropole Ruhr e.V. Rund 40 Teilnehmer*innen aus NRW und sieben weiteren Bundesländern folgten der Einladung in die Mülheimer Wolfsburg zur Tagung „Faire (Metropol-) Regionen in Deutschland“.

Auf dem Programm stand nicht nur eine interessante Diskussion über die unterschiedlichen Herausforderungen in den einzelnen Regionen, die Teilnehmenden diskutierten auch angeregt in verschiedenen Arbeitsgruppen. „Globale Nachhaltigkeit kann nicht durch egozentrisches Verhalten einzelner Menschen entstehen, sondern nur durch konstruktive, überregionale Vernetzung“, so Michael Marwede von „Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der einen Welt“, einem der Kooperationspartner des Events. Er zeigte sich begeistert: „Ich bekomme auf einen Schlag sehr viele Kommunen ins Boot und habe den Eindruck, dass alle hier offen reden und viel voneinander lernen können!“

So berichtete zum Beispiel Gisela Stang, Bürgermeisterin im hessischen Hofheim a.T., über die Initiative „Rhein.Main.Fair.“: „Wir sind beeindruckt vom Ruhrpott, weil hier eine gemeinsame Identifikation mit der Region existiert. Für uns war es anfangs schwierig, alle Akteure unter einen Hut zu bringen, weil diese keine gemeinsame Historie verbindet. Aber diese Veranstaltung macht Mut, und wir sind euphorisch, mit dem Thema Fair Trade nun alle ansprechen zu können und stolz darauf, schon diverse Hürden überwunden zu haben!“ Fleurence Laroppe erzählte über den grenzübergreifenden Verein „QuattroPole“ in Saarbrücken und davon, wie internationale Strukturen genutzt werden können, um den Fairen Handel zu pushen.

Wie funktioniert Fairer Handel in unterschiedlichen Regionen? Welche Strukturen baue ich auf? Welche Zielgruppen kann ich wie erreichen? Wie läuft das Projekt „FaireKITA“? Diese und viele weitere Fragen diskutierten zivilgesellschaftliche Akteure und Mitarbeitende öffentlicher Verwaltungen. Darüber hinaus informierte Kristina Klecko vom zweiten Kooperationspartner, Fairtrade Deutschland, wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter zielgerichtet funktionieren kann.

Für Angela Schmitz, Projektreferentin von Faire Metropole Ruhr e.V. und Tagungsleiterin, ist es wichtig, mit einer solchen Veranstaltung Raum zu bieten, über den Tellerrand der eigenen Region hinauszublicken und Synergien zu bündeln: „Regionale Netzwerke bieten noch einmal andere Möglichkeiten, mit kreativem Potenzial verschiedenste Akteure zusammenzubringen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und so für den Fairen Handel in einem größeren Raum wirken zu können“.

Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr hat mit seiner kontinuierlichen Arbeit seit 2008 ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet geschaffen und wurde 2013 als erste Großregion Deutschlands und erster Städteverband weltweit als „Faire Metropolregion“ ausgezeichnet. Und was würden sich die Beteiligten für die Zukunft wünschen? Vera Dwors jedenfalls fände es nicht nur großartig, wenn unter den Schildern mit der Aufschrift „Route der Industriekultur“ zukünftig auch „Faire Metropole Ruhr“ stünde, sondern würde gern mit dem Verein Faire Metropole Ruhr aus der „Nacht der Industriekultur“ eine "Faire" ExtraSchicht machen, die die Idee des Fairen Handels noch stärker in den Köpfen der Region verankern könnte.

Der Pott handelt fair!

Das Ruhrgebiet, bekannt als Industrie- und Kulturraum, erhielt 2013 als erste Großregion weltweit den Titel „Faire Metropole“. Die Auszeichnung geht zurück auf das Engagement des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. Seit vielen Jahren bündelt das Netzwerk die Aktivitäten von zivilgesellschaftlichen, kirchlichen und kommunalen Akteuren rund um das Eine-Welt-Engagement und den Fairen Handel im Ruhrgebiet.
Heute leben im Pott bereits rund 4,5 Mio. Menschen in einer Fairtrade-Town bzw. einem Fairtrade-Kreis.

Welche Städte dabei sind, sehen Sie hier.

Schirmherr Manni Breuckmann

Der Sportreporter ist Schirmherr des Netzwerkes Faire Metropole Ruhr und  bringt  die Vorreiterrolle auf den Punkt: „Die Metropole Ruhr spielt in der Champions League der fair handelnden Regionen.“
Ziel des Netzwerkes ist es, jede einzelne Kommune des Ruhrgebiets zur Fairtrade Town auszuzeichnen, und somit den Fairen Handel bei der breiten Bevölkerung und in der öffentlichen Beschaffung voranzutreiben. „Darüber hinaus engagiert sich das Netzwerk in der Bildungsarbeit und führt das Projekt „FaireKITAs“ durch, an dem sich bereits rund 100 Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen beteiligen und sich mit globalen Themen und dem Fairen Handel beschäftigen