Faire und ökologische Mode im Ruhrgebiet - Befragung für Einkaufsratgeber startete im Oktober 2018

Immer mehr Menschen möchten wissen, unter welchen Bedingungen ihr T-Shirt oder ihre Jeans hergestellt wurde. Sie fragen, wie fair wurde produziert, wie ökologisch sind die verwendeten Stoffe und wo kann ich solche Kleidung kaufen? Diese Fragen soll zukünftig ein Einkaufsratgeber  für öko-faire Mode Ruhrgebiet beantworten.

Dazu findet derzeit eine Befragung von Modegeschäften in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets zwischen Moers und Hamm statt. Während der Inhabergeführte Einzelhandel von Interviewer*innen vor Ort befragt wird, werden die großen Modeketten über ihre Zentralen kontaktiert.

Ziel der Befragung ist es, über fair und ökologisch produzierte Mode in Dialog zu kommen und Geschäfte mit verantwortungsvoll hergestellter Bekleidung zu finden. Der BUY GOOD STUFF Modeeinkaufsratgeber wird Verbraucher*innen über die Möglichkeiten informieren, im Ruhrgebiet fair und ökologisch produzierte Mode einzukaufen.

Zum Hintergrund

Die BUY GOOD STUFF Einkaufsratgeber machen durch ihr attraktives  Design, professionelle Modefotos und vielfältige Informationen Lust auf faire und ökologische Mode. Redaktionelle Beiträge stellen faire und ökologische Modedesigner*innen, Modelabels und Konzeptstores aus dem Ruhrgebiet vor. Weitere Beiträge berichten über die Probleme konventioneller Fertigung, die Möglichkeiten ökologischer Produktion, fairer Arbeitsbedingungen in der Modebranche sowie über die verschiedenen Facetten nachhaltigen Konsums. Eine attraktive Fotostrecke mit fairer Mode spricht modisch interessierte Konsument*innen an. Die Printausgabe wird im Frühjahr 2019 in einer Auflage von mindestens 10.000 Stück erscheinen, ebenso wird der Inhalt auf der mobilen Website www.buygoodstuff.de veröffentlicht, auf der bereits die Städte Köln und Bonn präsentiert sind, und die eine mobile Nutzung per Smart-Phone ermöglicht. Besonders praktisch sind die Shopping-Maps mit Store-Register, mit denen Kund*innen direkt zu den Geschäften finden.

Die Befragung der Modegeschäfte findet in ausgewählten Städten im Oktober/November 2018 statt. Die Befragung wird für Damen-, Herren- und Kinderbekleidung durchgeführt, von Outdoor-Bekleidung bis zur Designermode. Wäsche, Socken, Mützen und Schals werden ebenfalls berücksichtigt, nicht hingegen Lederwaren, Schuhe und Taschen. Kriterien sind z.B. klassische Siegel wie das GOTS, Fairtrade Cotton oder die Fair Wear Foundation, aber auch die Produktion im eigenen Atelier oder in einem Land der Europäischen Union. Second-Hand-Geschäfte werden ebenfalls mit  in den Ratgeber aufgenommen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Netzwerks Faire Metropole Ruhr, der Akademie Mode und Design (AMD) und Engagement Global. Das Seminar für Kulturanthropologie des Textilen/TU Dortmund führt parallel eine Konsument*innenbefragung zu fair und ökologisch produzierter Bekleidung durch.

Kontakt: Tatjana Krischik, Isabell Schwarzfeller

Netzwerk Faire Metropole Ruhr
Eine Welt Zentrum Herne, Overwegstr. 31, 44625 Herne
Tel. 02323/99497-10, 0163-2187021, mode(at)faire-metropole.ruhr

Fotodokumentation der Jahrestagung 2018 erschienen

Die Dokumentation zu unserer Jahrestagung 2018 ist fertig und kann ab sofort hier auf unserer Seite heruntergeladen werden. Neben der Fotodokumentation der gesamten Tagung beinhaltet die Dokumentation auch die gezeigten Präsentationen unserer Gäste.

Hier starten Sie den Download der Dokumenation (.zip-Datei, 10MB). Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

„Nur an fairen Kaffee zu denken, ist ein bisschen wenig!“

Jahrestagung im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Der Wissenschaftspark in Gelsenkirchen ist sonnendurchflutet und gefüllt mit Menschen, denen das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Anlass ist die zweite Jahrestagung des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. Der Tag steht unter dem Motto „Gemeinsam FAIRdenken!

Gleich in ihrer Begrüßung macht Karin Welge, Stadtkämmerin der Stadt Gelsenkirchen klar, dass für sie Nachhaltigkeit ein extrem wichtiges Thema ist. „Nur an fairen Kaffee zu denken, ist ein bisschen wenig“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Es reicht nicht, wenn wir uns ein Schild umhängen, auf dem steht, dass wir fair sind. Wir müssen auch danach handeln!“

Nachdem Vera Dwors und Markus Heißler aus dem Vorstand des Netzwerks die Aktivitäten des letzten Jahres beleuchtet haben und einen Ausblick auf die folgenden geben, gibt es eine spannende Diskussion zum Thema „Vergabegesetz NRW – entfesselt, und jetzt?“ Was bedeutet das eigentlich für die Städte und Kommunen? Diese sind nun selbst gefordert, bei der Vergabe nicht nur auf Wirtschaftlichkeit, sondern auch auf Nachhaltigkeit zu achten. Mit dabei Annette Schmidt aus dem Ministeium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, Fabian Kusch von der Bierbaum-Proenen GmbH, Michael Marwede aus der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt von Engagement Global, sowie Karin Welge.

Faire Vergabe in den Fokus rücken

„Nachhaltigkeit und Fairer Handel sind kein Sprint, sondern ein Marathon“, sagt Kusch und fordert realistische Ziele und ein klares Commitment und mehr Pragmatismus. Er freut sich, dass Azubis sich mittlerweile schon gezielt Firmen aussuchen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Annette Schmidt liegt es am Herzen, dass Kommunen von sich aus gute Ausschreibungen aufsetzen, während Michael Marwede Zweifel hat, dass das Unterzeichnen guter Absichten ausreicht. „Ich glaube nicht an die Freiwilligkeit“, sagt er. Er sieht die Gefahr, dass trotz der Änderungen eher die billigste Variante gewählt wird und ökologische und soziale Kriterien ungeachtet bleiben. Teils auch, weil zahlreiche Mitarbeiter im Bereich Nachhaltigkeit kein fundiertes Wissen haben. Ein Thema, das viele bewegt und über das in nächster Zeit sicher noch viel geredet werden wird. Karin Welge jedenfalls möchte die nachhaltige und faire Vergabe zukünftig in Gelsenkirchen stärker in den Fokus rücken.

Events nachhaltig planen

In anschließenden Workshops zu den Themen „Großveranstaltungen im Ruhrgebiet“, „Agenda 2030“ und „FaireKITA“ entwickeln die Teilnehmer*innen gemeinsam Ideen, um den fairen Gedanken weiter zu verbreiten und das Konzept der Fairen Metropole Ruhr weiter umzusetzen. Nicht zuletzt hat die Faire Metropole Ruhr erst kürzlich einen Leitfaden für nachhaltige Events erstellt, der auf der Webseite www.faire-metropole-ruhr.de zum Download bereitsteht. Auch darüber hinaus führen die Mitarbeiter des Netzwerks gern Beratungsgespräche zu diesem Thema durch.

Mehr Bilder zur Veranstaltung gibt es hier.

FAIR VERANSTALTEN – Eine Gebrauchsanweisung für nachhaltige Events

Endlich ist er da, unser Leitfaden für faire Veranstaltungen. Sie organisieren selbst Konferenzen oder andere Events? Dann wissen Sie, wie viele Dinge dabei im Vorfeld, am Tag selbst und im Nachhinein zu bedenken sind. Aber haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, ob Ihr Event wirklich nachhaltig ist? Klar, an fair gehandelten Kaffee und Schokolade denken viele, aber was ist mit all den anderen Bereichen?

ÖPNV-Anbindung, Kommunikation, Strom- und Wasserverbrauch oder auch Bekleidung. All dies sind Bereiche, bei denen durch das Drehen kleiner Stellschräubchen eine Menge in Sachen Nachhaltigkeit getan werden kann.

Unser 31-seitiges Heft im praktischen Taschenformat trägt den Titel „FAIR VERANSTALTEN – Eine Gebrauchsanweisung für nachhaltige Events“ und ist direkt bei der Fairen Metropole Ruhr erhältlich. Neben Tipps und Infos zu Speisen, Getränken, Kommunikation, Kleidung und vielen anderen Themen, beinhaltet es auch ein Grußwort unseres Schirmherren Manni Breuckmann und ein kurzes Interview mit dem TV-Koch und Botschafter der Oxfam-Kampagne „Make Fruit Fair“ Ole Plogstedt. Hinzu kommt eine Checkliste für „Faire Veranstaltungen“ und ein Briefentwurf für eine faire Cateringanfrage.

Wir würden uns freuen, Sie mit unserem Leitfaden bei der nachhaltigen Veranstaltungsorganisation zu unterstützen. Die erste Auflage von 2.000 Stück ist schon fast vergriffen. Wem die digitale Version ausreicht, der kann sie sich hier direkt downloaden.

Entfesselung auf Kosten der Arbeiter*innen

In einer Pressemitteilung kritisiert das Bündnis für öko-faire Beschaffung eine aktuelle Gesetzesänderung zum Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG) NRW.
Der Landtag NRW hat die Nachweispflicht zur Einhaltung internationaler Arbeitsrechte und Umweltstandards aus dem Tariftreue- und Vergabegesetz (TVgG) NRW gestrichen. Mit der Gesetzesänderung ist eine landesweit einheitliche Regelung, die die öffentliche Beschaffung auch an Menschenrechten und Umweltstandards ausrichtet, abgeschafft. Freiwillig können Kommunen und Landesvergabestellen noch den Nachweis einfordern, dass bei der Herstellung z.B. von Arbeitskleidung Arbeitsrechte und Umweltstandards eingehalten wurden. Jede Kommune muss sich aber nun eine eigene Regelung für eine nachhaltige Beschaffung erarbeiten.
Aus Sicht des Bündnisses für öko-faire Beschaffung NRW, ein Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, hat Nordrhein-Westfalen mit der Gesetzesänderung klar die Vorreiterrolle hinsichtlich einer modernen, an Nachhaltigkeit orientierten öffentlichen Vergabe in Deutschland verloren. Lesen Sie die ganze Pressemitteilung...

Der Skandal hat viele Gesichter – Eine Ausstellung über Kinderarbeit

„Wir möchten Kinder stark machen, damit sie nicht um ihre Rechte und ihre Zukunft betrogen werden“, sagt Franz Gulde, Abteilungsleiter Bildung beim Hilfswerk Misereor.

Gemeinsam mit Bürgermeister Rajko Kravanja und Markus Heißler von der Fairen Metropole Ruhr eröffnete er die Ausstellung „Der Skandal hat viele Gesichter“ am 8.3.2018 im Foyer des Rathauses der Stadt Castrop-Rauxel. Sie beleuchtet die Situation von arbeitenden und ausgebeuteten Kindern weltweit und stellt Projekte vor, die vor Ort Alternativen zur Kinderarbeit entwickeln. In Castrop-Rauxel wurde sie nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ausstellung ist bis zum 31.3.2018 im Rathaus in Castrop-Rauxel zu sehen. Sie kann ab sofort auch ausgeliehen werden. Bei Interesse schreiben Sie einfach eine E-Mail an uns...!

3,2,1… läuft! Trailer der Fairen Metropole Ruhr im Kino!

Es ist vollbracht. Das Filmprojekt „Faire Metropole Ruhr“ feierte am 8. Februar im Endstation Kino im Kulturzentrum Bahnhof Langendreer Premiere.

Nicht nur alle Beteiligten und Gäste, sondern auch eine Schulklasse aus Hattingen durfte live dabei sein, als die Trailer das erste Mal öffentlich vorgeführt wurden. Sie waren begeistert, deshalb freuen wir uns umso mehr, dass die Spots ab sofort in 28 Kinos im Ruhrgebiet über Arbeit und Ziele der Fairen Metropole Ruhr und das faire Engagement der Städte Castrop-Rauxel, Dinslaken, Kamen und Dortmund informieren und hoffentlich viele Menschen für den Fairen Handel begeistern. 

Fairen Handel stärker lokal verankern

Fairtrade Towns Steuerungsgruppen im Kreis Unna und der Stadt Hamm vernetzen sich

Zum ersten Mal trafen sich Akteure der Fairtrade Towns Steuerungsgruppen aus dem Kreis Unna und der Stadt  Hamm zu einem regionalen Austausch- und Fortbildungstreffen. Dazu eingeladen hatte die Faire Metropole Ruhr in Kooperation mit dem Informationszentrum Dritte Welt e.V. Dortmund und dem Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung Hamm.

Über 25 Vertreter/innen aus der Kommunalverwaltung, von Weltgruppen und Weltläden, Kirchengemeinden, Verbraucherzentralen und Vereinen folgten der Einladung in die Ökologiestation des Kreises Unna nach Bergkamen. Gemeinsam waren sie sich darin einig: Der Kreis Unna kann und soll fairer werden. Alle Akteure eint der Wunsch, das Thema Fairer Handel stärker in der Bevölkerung sowie in der Spitze von Verwaltung und Politik zu verankern. Hierfür müsse man die eigene Sprache überdenken und die Lobbyarbeit stärken. Denn „fair“ kann viel bedeuten, Kriterien des Fairen Handels hingegen sind klar definiert. Dies müsse man besser und vor allem einfacher kommunizieren.

Der Fokus des Treffens lag zum Einen auf dem gegenseitigen Kennenlernen sowie dem Austausch von gut gelungenen Aktionen und Kampagnen. Zum Anderen eint viele Steuerungsgruppen und Akteure die Herausforderung, neue und junge Mitwirkende zu finden, wenn das anfänglich hohe Engagement meist ehrenamtlicher Mitglieder in den Steuerungsgruppen, Weltläden und Vereinen nachlässt. Martin Heyer (freie Referent der Heinrich-Böll-Stiftung) konnte dazu mit dem Thema „Mitglieder und Akteure finden und binden“ wichtige Impulse und Anregungen für die Anwesenden vermitteln.

„Inspirierend und motivierend“ empfanden die Teilnehmenden dieses erste Vernetzungstreffen und wollen sich in Zukunft regelmäßig treffen. An Ideen und Themen für weitere Treffen mangelt es nicht.

Weltweit sind  über 2.000 Städte und Gemeinden als Fairtrade-Towns ausgezeichnet. mit. Im Kreis Unna machen sich mit Kamen und Bönen derzeit die letzten beiden Gemeinden drezeit auf den Weg und so werden voraussichtlich beim nächsten Treffen in 2018 alle Städte und Gemeinden des Kreises Unna Fairtrade Towns sein.

Das Projekt FaireKITA NRW des Netzwerks Faire Metropole Ruhr nimmt in Berlin Preis entgegen

Das inzwischen bundesweit agierende Projekt FaireKITA NRW des Netzwerks Faire Metropole Ruhr wurde auf dem Agendakongress 2017 am 27.11.2017 in Berlin ausgezeichnet.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche UNESCO-Kommission ehrten herausragende Bildungsinitiativen für nachhaltige Entwicklung. "Die prämierten Lernorte, Netzwerke und  Kommunen leisten als Vorreiter einen beispielhaften Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland." so die Laudatorin Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen.
Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft trafen sich am 27. und 28. November 2017 in Berlin, um gemeinsam die Umsetzung des am 20. Juni 2017 verabschiedeten „Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung“ voranzutreiben. Er ist zentraler Bestandteil der Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland.
Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen sagte anlässlich der Verleihung der Auszeichnungen: „Wir brauchen Vorbilder, um den Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen. Die Preisträger zeigen, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung in unserem Alltag gelebt werden kann. Nur durch Bildung verstehen wir die Auswirkungen unseres Handelns auf unsere Umwelt und Zukunft. Die Ausgezeichneten tragen mit ihrer Arbeit entscheidend dazu bei, unser Bildungswesen stärker am Prinzip der Nachhaltigkeit auszurichten. Damit liefern sie wichtige Impulse für die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung.“
Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte: „Nachhaltigkeit kann man lernen. Am besten gelingt dies an Orten, an denen wir nachhaltige Entwicklung praktisch leben und erfahren können. Genau das sind die heute ausgezeichneten Lernorte, Kommunen und Netzwerke. Sie alle machen deutlich, wie Nachhaltigkeit auch in den Strukturen des deutschen Bildungssystems verankert werden kann. Sie integrieren Prinzipien der Nachhaltigkeit in Inhalte und Methoden der Bildung, richten ihre Bewirtschaftung an Nachhaltigkeit aus, bilden ihre Mitarbeiter zu nachhaltiger Entwicklung weiter, und machen Nachhaltigkeit zum Thema in der Zusammenarbeit mit ihren Partnern. Ich wünsche mir, dass diese strukturbildenden Initiativen viele Nachahmer finden.“
Insgesamt 29 Lernorte, 28 Netzwerke und 6 Kommunen überzeugten die Jury von der hohen Qualität ihres Engagements für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Als Vorreiter leisten sie einen beispielhaften Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland. In der deutschen BNE-Landschaft stellen sich die Ausgezeichneten vor. Sie erhalten das Logo des Weltaktionsprogramms für ihre Arbeit und profitieren vom Austausch mit anderen Akteuren und Initiativen. Darüber hinaus bieten die Freie Universität Berlin und die Deutsche UNESCO-Kommission eine Beratung zur Weiterentwicklung der Initiativen an.

Jahrestagung Faire Metropole Ruhr

Wird Fairer Handel zum Standortfaktor?

Ein Anfang ist gemacht! „Die Auszeichnung FairTradeTown ist nur der erste Schritt. Die Kommunen müssten sich nachhaltig verantwortlich verhalten“, sagt der bekannte Autor und Journalist Stefan Kreutzberger bei der Jahrestagung der Fairen Metropole Ruhr im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Gemeinsam mit Professor Dr. Rudolf Juchelka, Lehrstuhlinhaber für Wirtschaftsgeographie an der Uni Duisburg Essen, und Thomas Paschek, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing Waltrop, diskutiert er auf dem Podium unter anderem darüber, welche Zugkraft der Faire Handel innerhalb einer Region entwickeln kann. Hat der Faire Handel wirklich das Potenzial zum weichen Standortfaktor?

Forderung nach europaweitem FairTrade-Standard

70 Gäste hören gebannt zu, als Professor Dr. Juchelka darüber redet, dass Bildungsarbeit in die Köpfe gebracht werden muss, damit sich der Gedanke des fairen Netzwerks weiter ausbreiten kann. Noch, so sagt er, sei der Faire Handel kein wissenschaftlich belegter Standortfaktor, aber zumindest schon Merkmal von Regionen, Imageelement und ein Markenfaktor. Als Beispiel nennt er hier den Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, dessen das Stadtbild prägende Biomarktkultur Leute anzieht und so zumindest als „weicher“ Standortfaktor bezeichnet werden könnte. „Ich möchte der Fairen Metropole Ruhr anbieten, dieses Thema in einer Masterarbeit gemeinsam mit einer meiner Studentinnen aufzugreifen und zu bearbeiten“, sagt er. Thomas Paschek pflichtet ihm bei und empfindet in Waltrop FairTrade durchaus schon als weichen Standortfaktor. Er berichtet unter anderem von einer jungen Unternehmerin, die ihren Bioladen gezielt in Waltrop eröffnet hat, weil der Standort dort einfach passe. „In Waltrop steckt viel FairTrade“, sagt er. Kreutzberger kritisiert, dass Fairer Handel gerade ein Glaubwürdigkeitsproblem hat und fordert einen europaweiten FairTrade-Standard. Alle sind sich einig, dass das nachhaltige Verhalten nicht auf den Fairen Handel beschränkt werden darf, sondern weit darüber hinausgehen muss.

„Faires Denken in den Köpfen der Menschen verankern“

In anschließenden Workshops zu den Themen „Design Thinking“, „Faires Stadtmarketing“ und „Faire öffentliche Beschaffung“ entwickeln die Teilnehmer*innen gemeinsam Ideen, um den fairen Gedanken weiter zu verbreiten und das Konzept der Fairen Metropole Ruhr weiter umzusetzen. „Wir haben aus gutem Grund das gesamte Ruhrgebiet als unser Symbol gewählt. Wir haben schon viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun, um das faire Denken in den Köpfen der Menschen zu verankern“, so Vera Dwors und Markus Heißler aus dem Vorstand des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. In Arbeit ist zum Beispiel schon ein KinoTrailer, der auf die Arbeit der Fairen Metropole Ruhr aufmerksam macht.

„Es ist schön zu sehen, dass wir mit der Veranstaltung so viele Menschen im Netzwerk erreichen konnten und wünsche mir, dass daraus viele Synergien entstehen, auf denen wir weiter aufbauen können. Außerdem freut es mich, das Thema "Fairer Handel" im Rahmen dieser Veranstaltung von neuen Perspektiven aus betrachten zu können. Vor allem, dass die Idee des Fairen Handels als Standortfaktor auf wissenschaftliches Interesse gestoßen ist und an Relevanz gewinnen kann“, sagt Projektleiterin Mariam Stauer, die die Veranstaltung gemeinsam mit Lisa Horstkamp geplant und organisiert hat.

Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr hat mit seiner kontinuierlichen Arbeit seit 2008 ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet geschaffen und wurde 2013 als erste Großregion Deutschlands und erster Städteverband weltweit als „Faire Metropolregion“ ausgezeichnet.

Faire Regionen bündeln Kompetenzen

Der Ruhrpott als Vorbild

„Die Faire Metropole Ruhr ist für mich eine Art Werbeblock für das Ruhrgebiet. Je mehr Menschen wir mit der Idee des Fairen Handels erreichen, umso besser“, sagte Vera Dwors vom Vorstand des Faire Metropole Ruhr e.V. Rund 40 Teilnehmer*innen aus NRW und sieben weiteren Bundesländern folgten der Einladung in die Mülheimer Wolfsburg zur Tagung „Faire (Metropol-) Regionen in Deutschland“.

Auf dem Programm stand nicht nur eine interessante Diskussion über die unterschiedlichen Herausforderungen in den einzelnen Regionen, die Teilnehmenden diskutierten auch angeregt in verschiedenen Arbeitsgruppen. „Globale Nachhaltigkeit kann nicht durch egozentrisches Verhalten einzelner Menschen entstehen, sondern nur durch konstruktive, überregionale Vernetzung“, so Michael Marwede von „Engagement Global mit ihrer Servicestelle Kommunen in der einen Welt“, einem der Kooperationspartner des Events. Er zeigte sich begeistert: „Ich bekomme auf einen Schlag sehr viele Kommunen ins Boot und habe den Eindruck, dass alle hier offen reden und viel voneinander lernen können!“

So berichtete zum Beispiel Gisela Stang, Bürgermeisterin im hessischen Hofheim a.T., über die Initiative „Rhein.Main.Fair.“: „Wir sind beeindruckt vom Ruhrpott, weil hier eine gemeinsame Identifikation mit der Region existiert. Für uns war es anfangs schwierig, alle Akteure unter einen Hut zu bringen, weil diese keine gemeinsame Historie verbindet. Aber diese Veranstaltung macht Mut, und wir sind euphorisch, mit dem Thema Fair Trade nun alle ansprechen zu können und stolz darauf, schon diverse Hürden überwunden zu haben!“ Fleurence Laroppe erzählte über den grenzübergreifenden Verein „QuattroPole“ in Saarbrücken und davon, wie internationale Strukturen genutzt werden können, um den Fairen Handel zu pushen.

Wie funktioniert Fairer Handel in unterschiedlichen Regionen? Welche Strukturen baue ich auf? Welche Zielgruppen kann ich wie erreichen? Wie läuft das Projekt „FaireKITA“? Diese und viele weitere Fragen diskutierten zivilgesellschaftliche Akteure und Mitarbeitende öffentlicher Verwaltungen. Darüber hinaus informierte Kristina Klecko vom zweiten Kooperationspartner, Fairtrade Deutschland, wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter zielgerichtet funktionieren kann.

Für Angela Schmitz, Projektreferentin von Faire Metropole Ruhr e.V. und Tagungsleiterin, ist es wichtig, mit einer solchen Veranstaltung Raum zu bieten, über den Tellerrand der eigenen Region hinauszublicken und Synergien zu bündeln: „Regionale Netzwerke bieten noch einmal andere Möglichkeiten, mit kreativem Potenzial verschiedenste Akteure zusammenzubringen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und so für den Fairen Handel in einem größeren Raum wirken zu können“.

Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr hat mit seiner kontinuierlichen Arbeit seit 2008 ein Alleinstellungsmerkmal im Ruhrgebiet geschaffen und wurde 2013 als erste Großregion Deutschlands und erster Städteverband weltweit als „Faire Metropolregion“ ausgezeichnet. Und was würden sich die Beteiligten für die Zukunft wünschen? Vera Dwors jedenfalls fände es nicht nur großartig, wenn unter den Schildern mit der Aufschrift „Route der Industriekultur“ zukünftig auch „Faire Metropole Ruhr“ stünde, sondern würde gern mit dem Verein Faire Metropole Ruhr aus der „Nacht der Industriekultur“ eine "Faire" ExtraSchicht machen, die die Idee des Fairen Handels noch stärker in den Köpfen der Region verankern könnte.

Der Pott handelt fair!

Das Ruhrgebiet, bekannt als Industrie- und Kulturraum, erhielt 2013 als erste Großregion weltweit den Titel „Faire Metropole“. Die Auszeichnung geht zurück auf das Engagement des Netzwerks Faire Metropole Ruhr. Seit vielen Jahren bündelt das Netzwerk die Aktivitäten von zivilgesellschaftlichen, kirchlichen und kommunalen Akteuren rund um das Eine-Welt-Engagement und den Fairen Handel im Ruhrgebiet.
Heute leben im Pott bereits rund 4,5 Mio. Menschen in einer Fairtrade-Town bzw. einem Fairtrade-Kreis.

Welche Städte dabei sind, sehen Sie hier.

Schirmherr Manni Breuckmann

Der Sportreporter ist Schirmherr des Netzwerkes Faire Metropole Ruhr und  bringt  die Vorreiterrolle auf den Punkt: „Die Metropole Ruhr spielt in der Champions League der fair handelnden Regionen.“
Ziel des Netzwerkes ist es, jede einzelne Kommune des Ruhrgebiets zur Fairtrade Town auszuzeichnen, und somit den Fairen Handel bei der breiten Bevölkerung und in der öffentlichen Beschaffung voranzutreiben. „Darüber hinaus engagiert sich das Netzwerk in der Bildungsarbeit und führt das Projekt „FaireKITAs“ durch, an dem sich bereits rund 100 Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen beteiligen und sich mit globalen Themen und dem Fairen Handel beschäftigen

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