Aktuelle Informationen aus Kolumbien

Der Präsident der Kooperative, Yinson Rodriguez, der letztes Jahr zum 20jährigen Bestehen der Kampagne „Der Pott kocht fair“ zu Gast im Ruhrgebiet war, berichtet über die aktuelle Corona-Situation in seiner Region.

Der Präsident der Kooperative, Yinson Rodriguez (Foto: Yinson Rodriguez)

Die Kaffeesträucher stehen in Blüte (Foto: Yinson Rodriguez)

Kaffeeblüten aus der Nähe (Foto: Yinson Rodriguez)

Die Kooperative Red Ecolsierra liefert den Rohkaffee für die fair gehandelten Städtekaffees im Ruhrgebiet. Der Präsident der Kooperative, Yinson Rodriguez, der letztes Jahr zum 20jährigen Bestehen der Kampagne „Der Pott kocht fair“ zu Gast im Ruhrgebiet war, berichtet über die aktuelle Corona-Situation in seiner Region:

"Ich arbeite auf der Plantage, derzeit blüht der Kaffee, aber der Tourismus ist eingebrochen. In diesen Tagen haben wir Regenfälle, es ist kalt und der Himmel ist bewölkt. Einerseits ist das gut für den Kaffeeanbau, andererseits nehmen die Erkältungen zu, was uns sehr beunruhigt. Die Zahl der mit Corona infizierten Personen steigt. Die Regierung hat die internationalen Flughäfen (viel zu spät) geschlossen, ebenso Schulen und Universitäten. Lediglich Lebensmittelläden und Geschäfte, die landwirtschaftliche Produkte verkaufen, sowie Drogerien und Apotheken sind geöffnet. Die Regierung hat eine Ausganssperre erlassen, die Menschen dürfen nur entsprechend einer bestimmten Zahlenkombination in ihren Personalausweisen lediglich Lebensmittel oder Medikamente einkaufen.

Wir, die auf dem Land leben, haben durch unsere Selbstversorgung mit den Grundnahrungsmitteln noch Glück. In der landwirtschaftlichen Produktion hat die Regierung keine Beschränkungen auferlegt.

Viele Menschen achten nicht auf die Auflagen der Regierung und sind weiterhin auf den Straßen. Besonders benachteiligt sind die, die im informellen Handel aktiv sind, sie müssen von Tag zu Tag ihr Überleben sichern. Hierzu gehören auch ambulante Händler, kleine Ladenbesitzer oder Bauarbeiter. Ebenso sind Restaurants und Bäckereien sowie mittlere Firmen, die ihre Angestellten nicht weiter bezahlen können, stark betroffen. Viele, vor allem kleine Betriebe werden nicht überleben.

Von Seiten der Zivilgesellschaft werden stärkere staatliche Hilfen gefordert, um die Grundnahrung für alle zu sichern. Denn die Hilfen der Regierung für die Ärmsten sind nicht ausreichend, zumal viele regionale Behörden humanitäre Hilfen verschwinden lassen, die für die armen Menschen gedacht sind".

Übersetzung: Stefanie Hoppe

Fotos: Yinson Rodriguez

Hintergrund: Fakten zu Corona und politische Situation

Kolumbien hat ein drittes Mal die Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus verlängert. Die obligatorische Quarantäne, die zuletzt bis 11. Mai galt, wurde nun bis zum 25. Mai verlängert. Die Quarantäne in dem südamerikanischen Land trat am 24. März in Kraft. Kolumbien verzeichnete bisher mehr als 8600 gemeldete Covid-19-Fälle, 378 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus Sars-CoV-2.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Armen in der Bevölkerung sind immens. Die Opposition kritisiert die massive Unterstützung des Finanzsektors und dass von staatlicher Hilfe die Großunternehmer zu Lasten der der Kleinunternehmer profitieren. Zum Skandal wurde auch das Covid-bedingte Hilfspaket für Kleinbauern. Nachdem Präsident Duque 226 Milliarden Pesos (circa 52 Millionen Euro) mittleren und kleinen Landwirten zugeteilt hat, hat die entsprechende Landesbehörde Finagro 94 Prozent des Geldes an Großproduzenten und nur vier Prozent mittleren und zwei Prozent kleinen Landwirten zukommen lassen, wie die Verwaltungsstaatsanwaltschaft aufdeckte.

Die Bevölkerung der Elendsviertel hängt als Zeichen des Protestes indes rote Tücher in ihre Fenster, weil sie keine Staatshilfen bekommen oder die geleisteten Hilfen nicht ausreichen. Viele Menschen gehen auf die Straße, um staatliche Hilfen gegen den Hunger zu fordern. In Bogotá hat die Stadtverwaltung mit Repression durch die Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei geantwortet.

(Quellen: Amerika 21, Ariva.de)

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